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Holunderblüten

28. September 2009

Holunder, Holler, Flieder, Attich: Aus den Beeren kocht man Saft und Mus und Medizin, denn erst durch Kochen werden sie bekömmlich. Bibelrückenschwarz glänzen sie, schmecken streng nach Studierstube und ein bißchen nach dem Bitterernst des Lebens.

Holunderblüten aber sind ganz etwas anderes. Schon das Wort klingt nach Leichtsinn, nach Dreivierteltakt. Als winzige Ballkleider bauschen sich die weißen Dolden, schön wie Schaum mit ihren Knospenperlchen, lachen und locken, spielen kichernd im dunklen Blättergrund Versteck. Nach Holunderblüten duften April und Mai, auch Juni noch: Nun streif schon die wollenen Röcke ab! Atme tief, sing laut! Mach Sprünge ohne Strümpf’ und Schuh’! Laß dich hinterrücks von der Wiese umarmen und blinzle ins Licht!

Diesen Duft nach Sommerverheißung, diesen goldenen Übermut, kann man die einfangen und in Gläser füllen? Als Vorrat für den Herbst?

Holunderblütengelee

Holunderblütengelee

O ja. Man kann!

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24 Kommentare leave one →
  1. 28. September 2009 15:08

    Noch besser: Holunderblütensirup. Davon ein winziges Schlückchen ins Glas, mit einem schön trockenen Sekt auffüllen… dann hat man einen “Holler-Sekt”.

    • 28. September 2009 23:50

      Sicher, auch nicht schlecht — sollte man sich zum Frühstück allerdings nicht zur Gewohnheit machen! :)

  2. philipp1112 Permalink
    28. September 2009 17:57

    Nicht so schmackhaft wie “Holler-Sekt” ist Holundersaft mit heißem Wasser gegen Erkältung. Ich habe meine Oma geliebt – solange ich diese Medizin nicht trinken mußte.

    • 28. September 2009 23:51

      Hat sie denn wenigstens geholfen? Die Medizin, meine ich?

  3. 6kraska6 Permalink
    29. September 2009 8:31

    Wieder sehr hübscher Text – würd ich auf Etiketten drucken und die Holundergelee-Gläser damit bekleben…

    • 29. September 2009 11:54

      Danke. Wäre vielleicht arg viel Kleingedrucktes …

  4. 29. September 2009 8:49

    Oh goldener Übermut, das würde mir auch gefallen!

    • 29. September 2009 12:00

      (Der steht schon wieder auf der Abschußliste wg. zu kitschig.)

      Ich wünschte, ich könnte gutes Holunderblütengelee machen. Kann ich nicht; ich glaube, da braucht man mehr als ein gutes Rezept.

  5. 29. September 2009 12:14

    Ich glaube, viel Liebe – zu den Hollerblüten und zu den Menschen, die man mit dem sonnenlichtgetränkten Gelee beglücken will.

    • 5. Oktober 2009 17:09

      Das glaube ich auch!
      Ein Bekannter sagte: Der Geschmack kommt aus den Fingern …

  6. philipp1112 Permalink
    29. September 2009 12:17

    Lakritze, karu hat mal im frühen Sommer vom Hollerblütengelee und der Herstellung geschrieben. Wir haben da eine Spezialistin!

  7. 6kraska6 Permalink
    30. September 2009 15:44

    Und karus H.-Gelee ist köstlich! Ich kanns bezeugen!

  8. 1. Oktober 2009 15:43

    schöne Beschreibung von Blüten und Beeren. Hier ist Frühjahr und Herbst in einer Pflanze vereint.

    Mein Vater serviert seit Neustem Hugo: Holunderblütensirup, Sekt und Mineralwasser. Erfrischend und leicht.

  9. karu02 Permalink
    2. Oktober 2009 12:57

    Ich liebe den Geschmack aus den gleichen Gründen wie Du, liebe Lakritze. Es ist nicht so schwer, den Sirup oder den Gelee herzustellen. Guck mal hier:
    http://www.qype.com/place/621741-Holunderweg-Rheinberg
    Danke an Kraska und Philipp, Ihr habt es Euch gemerkt! Das freut mich.

    • 5. Oktober 2009 17:07

      Kraska, Philipp, Karu, danke!
      Ich hatte mich auch an die Diskussion über fritierte Blüten erinnert, sie aber im Blog gesucht. Qype gibt’s ja auch noch …!

  10. kormoranflug Permalink
    5. Oktober 2009 17:03

    Neulich habe ich ein Glas Holunderblütengelee von einer guten Bekannten bekommen.
    Bevor ich das öffne muss ich erst mal ein Himbeer/Johannisbeermarmeladenglas leer essen.
    Ich freue mich schon darauf…

    • 5. Oktober 2009 17:08

      Wohl dem, der solche Bekannten hat! Und viel Spaß mit den Gläsern — ich gönn’s Dir!

  11. 6kraska6 Permalink
    5. Oktober 2009 17:36

    Betr.: Goldener Übermut

    Jetzt übernimmst Du schon die Kitsch-Phobie von unserer lieben Hyke. “Goldener Übermut” ist nicht kitschig, sondern reine eichendorffsche Ausdruckskunst, eine Wendung im Ballkleid eines schön abgehangenen, gut durchbluteten Sprachhandwerks, metaphernsicher und ästhetisch unbedenklich! . Außerdem ein Tipp von Hausmann zu Hausfrau: Wird eine Formulierung zu süßlich, tu einfach ein Tröpfchen augenzwinkernde Ironie dazu, daß rettet die gesamte Chose. Es reicht schon, wenn man beim Lesen nicht ganz sicher ist, ob Du nun zwinkerst oder nicht. Schon eine Prise Ironie-VERDACHT macht das Gericht kitsch-frei!

    • 5. Oktober 2009 18:04

      Genau, Meister kraska. Und bei manchen Leuten sieht man ein Zwinkern, ob es da ist oder nicht, weil man ihnen gar nichts anderes zutraut.

    • 7. Oktober 2009 17:17

      Kitsch-Phobie … nein, phobisch bin ich da nicht; gelegentlich hab ich ihn gern. (Eichendorff, klar. Äh, Eichendorff?? Robert Schneider, näh. Religiös motivierter schon mal, politischer lieber nicht. Etc. p.p.)
      Aber Kitsch steht halt nicht jedem.

  12. joulupukki Permalink
    13. Oktober 2009 23:03

    Wahnsinn! So ein schöner Text zum Holler. Chapeau, liebe Lakritze!

  13. hotzenplotz Permalink
    25. November 2009 0:08

    Ein leichtes Lied.
    Es ist schon fast Ende November und ich schaue minutenlang aus dem Fenster und frage mich, ob es wohl je wieder aufhören wird, zu regnen.
    Ist schwer, sich aus so unendlicher Entfernung den Mai vorzustellen.
    Merci, wunderschöner Text.

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