Archiv für August 2009

28
Aug
09

Blind Date

Aus dem Zug steigend streifte ich fast eine Frau, die mit hochroten Pumps und hochroten Wangen den Bahnsteig auf und ab marschierte. Mein Blick blieb etwas zu lange an der Tulpe in ihrer Hand hängen.

»Ja, ich weiß, man nimmt sonst Rosen. Aber das ist mir zu abgelutscht. Ich warte hier nämlich auf jemanden … die (mit der Tulpe wedelnd) ist das Erkennungszeichen. Er hat dann auch eine. Hoffe ich zumindest. Der letztes Mal hatte wohl keine Rose mit, da waren’s noch Rosen, oder er hat sie weggeschmissen. Jedenfalls stand ich da zehn Minuten — unmöglich, sowas. Könnte wenigstens höflich sagen: tut mir leid … Ich würde das machen, wenn er überhaupt nicht mein Typ wäre. Wobei, das ist ja angeblich gar nicht so wichtig. Meine Oma sagt, die besten Ehen hätten sie wegen des Ackers geschlossen; na, ich weiß nicht. So ein Versorger. Ist vielleicht nicht das Übelste. Oje, da kommt der Zug, wünsch mir Glück …«

Ich bin gegangen und habe nicht nach der zweiten Tulpe geschaut. Aber ich habe ihr einen gewünscht, einen Versorger auf dem weißen Pferd, mit goldenem Herzen und untadeligen Manieren.

17
Aug
09

Schaut mal …

Ich hoffe, ich darf es öffentlich erwähnen: Hier bloggt eine wohlbekannte Qyperin. Sie stand auf vielen Wunschzetteln. Ich weiß nicht, wer’s geschafft hat — mein Dank ist ihm oder ihr gewiß: Liesl ist wieder da, unter dem schönen Namen Afra Evenaar.

14
Aug
09

Strindberg & Helium

Allen Freunden des Abstrusen seien hiermit »Strindberg (Strinnnbeeeerg!) & Helium (Heeeeliuuuum!)« ans Herz gelegt.

http://www.strindbergandhelium.com/

»Strindberg (Strinnnbeeeerg!) & Helium (Heeeeliuuuum!)«

Vier animierte Kürzestfilmchen um den düsteren Dramatiker und seinen drallen, nunja, Begleiter können auch den fürchterlichsten Tag versüßen — leider, leider sind es nicht mehr. Viel Vergnügen!

11
Aug
09

Die Wissenschaft vom Glücklichsein

Nachtrag 12.08.09: Hier geht es zu den ersten Ergebnissen! Am glücklichsten unter den Versuchsgruppen war die, die jeden Tag einige Minuten lang an ein gutes Ereignis des Vortages dachte.

»The Science of Happiness«, so nennt sich das jüngste Online-Projekt des Psychologieprofessors Richard Wiseman. Vier Tage lang konnte man an einem Experiment teilnehmen, das dazu dienen sollte, glücklicher zu werden. Die Versuchspersonen wurden zufällig Gruppen zugeordnet, die verschiedene Aufgaben zu erledigen hatten; die Instruktion erfolgte über einen kurzen Videoausschnitt (Richard Wiseman im atemberaubend lila Hemd).

Am Anfang und am Ende des Experiments wurde der »Grad des Glücklichseins« erhoben. Wie mißt man »Happiness«? Simpel und elegant: Man fragt Personen, wie »happy« sie sich fühlen. Dadurch, daß der Begriff nicht näher definiert wird, kann jeder selbst entscheiden, was er darunter versteht; bei der enormen Teilnehmerzahl (ich habe etwas von 15000 gelesen es waren 26000) mitteln sich seltsame Vorstellungen von »happy« höchstwahrscheinlich aus. (Vorsicht: auf diese Weise haben es die Bengalen mal zum »glücklichsten Volk der Welt« gebracht … Wiseman beschränkt seine Analyse wohl auf Großbritannien.)

Meine Aufgabe war: Jeden Tag einmal anderen Leuten etwas Nettes tun. Jemandem ein Kompliment machen oder ein kleines Geschenk; einen Gefallen tun, notfalls etwas spenden.

Was ich gemacht habe: Den Nachbarn den Schlüssel abgenommen und ihn abends wieder zurückgebracht. Mit den Handwerkern geplaudert. Den Gemüsefrauen endlich mal wieder Gläser vorbeigetragen. Dem Manne um den Bart gegangen. Für eine Freundin etwas organisiert, eine andere überraschend besucht.

Und was soll ich sagen: Ich mußte (oder: durfte) feststellen, daß es gar nicht so leicht ist, etwas Nettes zu finden, was aus dem Rahmen des Üblichen fällt. Anders ausgedrückt: Ich bin auch unter nicht-experimentellen Bedingungen schon ganz schön nett.

Das Experiment hatte aber auch seine Schattenseiten. Es gelang es mir nämlich nicht, einfach etwas Gutes zu tun — jede Freundlichkeit schlug sofort zurück: Die Nachbarn schenkten mir Kuchen. Der Handwerker reparierte was außer der Reihe. Die Gemüsefrauen nannten mich »Schätzchen«, der Mann machte mir Essen, und bei den Freundinnen bekam ich Blaubeerkuchen und ein wunderbares Lagerfeuer.

Wenn es darum geht, den Effekt von uneigennützigen Nettigkeiten zu messen, dann war das so vermutlich nicht gedacht.

Es ist zum Verzweifeln.

11
Aug
09

»Gut« und »schön«: Abwesenheitsnotizen

Es ist Reisezeit, es ist Abwesenheitssaison. Neben der »guten Abwesenheitsnotiz« finde ich nun auch die weniger häufige »schöne Abwesenheitsnotiz« unter den Suchbegriffen, über die dieses Blog gefunden wurde.

Da scheint Bedarf zu bestehen. Hier also ein Crashkurs im Abwesen:

Eine »gute Abwesenheitsnotiz« zeichnet sich durch ihre Nützlichkeit aus. Beantworten Sie knapp und verständlich die klassischen W-Fragen:
W
er ist weg? (Das erschließt sich meist schon über den Absender der Benachrichtigung.)
W
ie lange dauert die Abwesenheit? (Wichtig! Vergessen Sie nicht den Termin der Rückkunft!) Bei »von — bis«-Angaben ist bei »bis« der erste Tag der nächsten Anwesenheit zu nennen.
W
ieso ist das wichtig? (In dieser Zeit werden Aufträge nicht oder nur verzögert beantwortet/werden Sie keine weitere Auskunft erhalten/sind Großbrände untersagt …)
W
o finde ich Hilfe? (Auf jeden Fall eine/n Vertreter/in angeben. Sonst sind die Kunden unzufrieden, und es stapelt sich nach dem Urlaub Arbeit auf dem Schreibtisch.)
Am Schluß noch möglichst wenig sarkastische Grüße an alle Daheimgebliebenen, und fertig ist die Laube!

Die »schöne Abwesenheitsnotiz« ist eine ganz andere Liga. Da darf sich die poetische Seele austoben. Hier könnten Sie einen Literaten zum Urlaubsort zitieren (etwa Sand über Majorca, Mann über Davos, Ransmayr über die Schwarzmeerküste /Arktis …). Oder Sie können sich eine anders »schöne Abwesenheitsnotiz« aus Formulierungen wie »in die Sonne fliegen«, »See-/Berg-/Tropenluft schnuppern«, »[beliebtes Reiseziel] unsicher machen«, »knackig braun« und »Euch eine schöne Zeit« selbst zusammenstricken. Versprechungen eines nach-urlaublichen Diaabends (’schuldigung, einer DauerPoint-Präsentation) sind möglich, aber nicht notwendig. »Ich werde Euch vermissen« bitte nur dann, wenn es wirklich stimmt.

Womit wir beim Bonusprogramm wären: der »wahren Abwesenheitsnotiz«. Diese bildet die kürzeste Nachricht in der Reihe, und an ihr ist nicht zu rütteln. Sie lautet:

Ich bin nicht hier.

Ihnen dann noch viel Spaß woanders!

!!!Hinweis!!! Das Wort »Abwesenheitsnotiz« an sich ist weder gut noch schön. Es ist eine mißratene Übersetzung aus dem Englischen und sollte eigentlich »Abwesenheitsbenachrichtigung« heißen. Aber das ist vielleicht ein bißchen lang …? Womöglich besser: Weg-Ruf? Oder: Urlaubspost? Vorschläge werden gern entgegengenommen.

10
Aug
09

Einer weniger.

Wenn ein Geschäft den Namen »Bastelparadies« verdient hat, dann ist es Riemer. War es jedenfalls — Riemer ist insolvent. Das traditionsreiche und hervorragend sortierte Bastelgeschäft hat letzte Woche geschlossen. So eines gibt es jetzt nicht mehr vor Ort, und wo das nächste ist, weiß ich nicht.

Mich macht das traurig. Riemer ist ein Opfer der Wirtschaftskrise; die Leute sparen an ihren kleinen Vergnügungen. Natürlich wurde hier nichts Lebensnotwendiges verkauft, aber es steckte Herzblut in dem Laden und enorme Fachkompetenz.

Neun Angestellte stehen jetzt auf der Straße. Die Innenstadt verarmt weiter. Und das Praktische, Bodenständige, das Liebenswerte, für das so ein Bastelgeschäft steht — ist das etwa auch am Ende?

riemer-kaffeekasse

Eine halbe Stunde später stand die Betriebskaffeemaschine unter diesem Schild ...

Bei Riemer ist schon alles ausverkauft. Die Fenster sind leer, die Reklame wird abmontiert. Nur der Internetauftritt ist war noch eine ganze Weile wie immer.

02
Aug
09

Für positive Nebenwirkungen

Es gibt ein neues Web-Experiment — von 3. bis zum 7. August 2009 führt Richard Wiseman einen Versuch zum Mitmachen durch. Diesmal geht es um nichts Geringeres als darum, glücklicher zu werden und ganz nebenbei die Welt glücklicher zu machen.

The Science of Happiness

The Science of Happiness

Ob das funktioniert? Ich mache mit — in einer Woche kann ich Näheres sagen.

(Und ja, die Seite ist sehr, sehr blau.)

02
Aug
09

Postkarte von der Ostsee

Woraus Ferien bestehen: aus dem weißesten, weichesten Sand, Sonne auf den Schultern, dem vornehmen Rauschen der Ostsee und Nadelbaumduft. Alles Wichtige ist woanders. Wo komme ich gleich noch her? Muß ich da je wieder hin?

Und ein Stück weiter links die See.

Und ein Stückchen weiter links die See.

Der Nordosten hat mich überrascht, Usedom war wunderschön. Über die mehreren Millionen Marienkäfer konnte ich hinwegsehen — so ein Hut ist eine feine Sache. Ich habe Räucherfisch gegessen, Sterne beobachtet und für alle Fälle die Adressen notiert. Vielleicht sind ja irgendwann mal wieder Ferien.

Nicht sehr rauh, dieses Meer

Ein braver Strand (nicht die Nordsee)

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