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Etwas über Kleiderbügel

Gerade habe ich irgendwo gelesen, die sperrigen Drahtkleiderbügel aus den Reinigungen sollen durch umweltfreundliche aus Wellpappe abgelöst werden. Daraufhin habe ich mal nach »Kleiderbügel mit Wäschereiaufdruck« gegoogelt — und anscheinend bin ich der einzige Mensch im ganzen wilden, weiten Web, der sich für sowas interessiert.

buegel_reim

Ein bißchchen hölzern, aber immerhin gereimt

Nein, ich sammele sie nicht — sie sammeln sich bei mir. Aus der eigenen und ein paar anderen Familien, aus Haushaltsauflösungen und ererbten Kleidungsstücken. Einmal konnte ich auf einer Wanderung dem Sperrmüll nicht widerstehen und habe dann sieben Exemplare zwölf Kilometer durch den Wald getragen.

Da hängen sie an meiner Garderobe, mit ihren Werbesprüchen von Wäschereien und Schneidermeistern. Bieder, honett und entwaffnend optimistisch. So, als würde es Betriebe ewig geben, als seien Adressen gottgegeben und unveränderlich, die Maßschneiderei ein bombensicheres Geschäft. Als würden Kleiderbügel niemals weggeworfen werden.

Diese Relikte einer Zeit, der »Made in China« oder das Internet nicht im Traum eingefallen wären, rühren mich. Eigentlich ist es nur passend, daß Google so gar nichts zu diesen Bügeln weiß … Das allerdings dürfte sich mit diesem Blogeintrag ändern.


12 Antworten zu „Etwas über Kleiderbügel“


  1. 1. Juni 2009 um 1:31

    Eigentlich recherchiere ich gerade zum Thema „Historische Hüte“, wobei dann aber zuweilen auch der Kleiderbügel daherkommt. Deshalb kann ich beitragen, dass die ersten Kleiderbügel im 16. Jahrhundert gemeldet werden. Sie müssen größer als die heutigen gewesen sein und wurden von Offizieren und Kirchenmännern verwendet. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden sie allmählich Allgemeingut. Den aufblasbaren Kleiderbügel gibt es seit 1929.

    Darüberhinaus wurde anscheinend die Architektur vom Kleiderbügel inspiriert. Die Harbour-Bridge in Sydney ist wohl das bekannteste Beispiel und auch der Flughafen Tempelhof (gut: Ex-Flughafen…) sieht aus der Luft betrachtet aus, wie ein—Kleiderbügel.

    Dem Thema sollte in der Tat mehr Beachtung gezollt werden. Jawoll!

    • 2 joulupukki
      1. Juni 2009 um 10:24

      Ich staune und kann Dir versichern: es ist sicher nicht so, dass Du die einzige bist, die sich für solche Kleiderbügel interessiert, ich hab sie bloß das erste mal hier bei Dir gesehen. Die sind ja entzückend! Bei uns gibts seit ich denken kann in Wäschereien bloß lausige Drahtkleiderbügel.
      Also, liebe Lakritze, ziehe aus und sammle sie, rette sie, diese kleinen Helden deutscher Werbereimgeschichte. Und dann warte noch ein paar Jährchen und versteigere sie bei Ebay. Allein in mir wirst Du eine gute Abnehmerin finden.

  2. 3 6kraska6
    1. Juni 2009 um 10:40

    Und ich dachte schon immer, ICH hätte skurrile Interesssen! Bei diesen Kleiderbügeln wird einem ganz nostalgisch zumute. Interessant auch die Infos von eichi (Gruß!) – die Geschichte des Kleiderbügels! Mein Historikerherz schlägt schneller…

  3. 4 ottogang
    1. Juni 2009 um 13:45

    Ich genieße es, mit den Kleiderbügeln teilweise meine Hotelaufenthalte, so die KLeiderbügel dann bedruckt sind, nachvollziehen zu können. Oder wenn Geschäfte bei Kleidungsstücken auch mal ihre Bügel dazugegeben haben. Netter Beitrag.

  4. 1. Juni 2009 um 15:57

    Danke, Ihr alle.
    Eichi, wow, ich bin beeindruckt! (Vor dem 16. Jahrhundertz haben die Leute ihre Kleider wahrscheinlich getragen und nicht aufgehängt.) Werde nun nach einem aufblasbaren Bügel von 1929 forschen.
    Joulupukki, schau bloß mal in die Kleiderschränke Deiner Verwandtschaft. Die Dinger hängen da einfach so rum, bislang völlig unbeachtet. Flohmärkte sind sicher auch gut.
    Ottogang, Hotels bedrucken sie also noch? Ich dachte immer, die machen das, damit man sie dort hängen läßt –? ;)

  5. 1. Juni 2009 um 20:07

    Sehr hübsch.
    Könnte mich glatt zu einem kleinen Blogbeitrag treiben, da ich mindestens drei fotografierenswerte Bügel mit Geschichte habe ;)

    Immer wieder sehr beruhigend, dass auch andere Menschen sich für so schön abseitige Dinge begeistern können.

    Danke, Lakritze!

  6. 2. Juni 2009 um 12:48

    Habe gerade einen Zeitungsartikel von 2006 gefunden: Es gibt ein privates Bügelmuseum in Berlin!
    http://www.moz.de/index.php/Moz/Article/category/Berlin_Brandenburg/id/97413

    Und eines in der Schweiz: http://www.dunkel-service.ch/kleiderbuegelmuseum/

  7. 9 richensa
    6. Juni 2009 um 22:30

    Lakritze,
    bis in die frühe Neuzeit wurden Kleidung, die man nicht gerade trug, in Truhen aufbewahrt, also gefaltet. Die ältesten Schränke, die sich erhalten haben, sind in kirchlichem Besitz, für liturgische Kleidung. Ich muss mal nachschauen, wie deren „Innenleben“ aussieht..

    Aber so ein toller Beitrag über Kleiderbügel, ich habe auf alle Fälle auch noch ein paar. Bei meinem Vater im Haus sind 100%ig weitere.

    „Lasst die Jugend Bleyle tragen…“ (Zusatz meiner Tanten: Bleyle kratzt vor Wohlbehagen)

  8. 10 philipp1112
    12. Juni 2009 um 19:32

    Kleiderbügel mit eingebrannten Firmenlogo oder Firmenadressen längst verblichener Firmen (als Vor-Karstadt-Insolvenz-insolventen oder aus sonstigen Gründen nicht mehr existierende) nenne ich auch noch mein Eigen. Hotelmitbringsel habe ich nicht, weshalb auch immer. Bei den alten emaillierten Werbe-Blechschildern gibt es ja inzwischen schon Neuauflagen. Bei Bügeln hab ich das noch nicht gesehen. Wäre doch mal ‘ne Marktlücke.


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