Emanzipation
Ich habe früher gern für Gleichbehandlung der Geschlechter gestritten. Von daher hätte ich eine Soldatin in Uniform gar nicht besonders anstarren müssen. Die aber, die sich im Zug neben mich setzte, war ein … Prachtexemplar. Darf man das sagen?
Sie hatte die kastanienbraunen Haare kunstvoll hochgesteckt (soweit ich das unter dem Barett beurteilen konnte); ihre farbenfrohe Brille konkurrierte mit perfektem Makeup. Als erstes holte sie die Gala aus dem Rucksack, legte sie auf ein Tarnhosenknie und blätterte andächtig im Modeteil. Ich dachte darüber nach, ob man mit manikürten Dezimeterkrallen (mit eingelassenen Glitzersteinchen) Gewehre putzen kann. Nachdem ich gesehen habe, wie sie auf ihrem Klapphandy SMS tippte, glaube ich: man kann.
Über der ganzen Erscheinung schwebte eine Wolke schweren, süßen Duftes, die sie vollends surreal machte. Später erzählte sie fröhlich, sie habe sich für acht Jahre verpflichtet, Panzerartillerie.
Ich dachte: Schwester, ich hätte zwar Zivildienst gemacht. Aber die Bundeswehr ist anscheinend nicht mehr, was sie mal war. Und das ist doch auch schön.

Das ist eine 1A-Waffe: Sowas direkt an der Front und der Feind rennt schreiend davon, weil er die Duftwolke nicht ertragen kann.
Ja, Parfüm ist (für mich) schlimmer als Leberwurstbrötchen. Von ersterem tränen mir die Augen, von letzterem bekomme ich höchstens Hunger …
Oh – eine Erscheinung! Was gäb ich für ein Foto!
Also, Jou, das hätte ich mich nicht mal getraut, wenn ich einen Bildermacher gehabt hätte. (Im Zweifel war sie besser bewaffnet.)