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Fülle

17. Oktober 2014

Der Herbst hat mich herausgelockt: mit der Bahn an den Fluß und zu Fuß die Rebhänge hoch, noch vor der Sonne, um sie dann oben in den Hügeln zu erwarten.

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Im Tal hält sich der Nebel lange. Und was für ein Schauspiel er gibt: Er raucht die Hänge hoch, steigt weiß aus Baumgruppen und Wiesen, hebt sich hier und da, um mit Flußsilber zu blitzen, und ballt sich um die Hügelkronen, daß sie in den Himmel wachsen. Schließlich, als er dünn geworden ist, verleiht er allem einen spukhaften Schein; die Höhendörfer sehen aus wie Hirngespinste. Dann ist das vorbei. Die Landschaft hat wieder Substanz, die Sonne wärmt, und ich bin froh, den Aufstieg hinter mir zu haben.

Die Wälder auf den Hügelflanken tragen Grün wie Staub; als müsse man nur mit dem Ärmel darüberwischen, damit Rot und Gelb zum Vorschein kommen. Aber dafür braucht es wohl einen anderen Ärmel als meinen.

Auf dem Weg fülle ich die Taschen mit Kastanien und Nüssen. Ich bin nicht die einzige: mich beobachten Mäuse, ein prächtiges Eichhorn und Dohlen mit Eissplitteraugen. Unmäßig bin ich nicht, und es gibt genug, beruhige ich sie und ziehe meines Wegs.

Die letzten Brombeeren sind sauer, aber im Gasthaus auf der Höhe haben sie Beerenkompott mit Sahne und Aussicht für mich. Ich bleibe noch ein wenig sitzen, als mein Kaffee leer ist, und stelle mir vor, hier auf die Herbstfärbung zu warten, den Blick auf die Hügel gerichtet; in ein paar Tagen sollte es so weit sein … Natürlich breche ich doch wieder auf.

Und will, natürlich, wiederkommen. Unbedingt.

Jahresringe

16. Oktober 2014
tags:

Jedes Jahr einer mehr; und Du, damals, die Geschichten mit gutem und schlechtem und die ohne Ende, das liegt schon tief innen. Wollte ich das loswerden, ich müßte mich aushöhlen.

Weißt Du noch?, würde ich Dich gerne fragen. (Du antwortest nicht. Ich weiß. Also denke ich an Dich, daß etwas bleibt von Dir.)

Schwarzer Schaum

14. Oktober 2014

Über Seife hatte ich mir bislang nie Gedanken gemacht. Ich hatte die Strukturformel in Chemie gelernt (bei einer Referendarin, die in der Lehrprobe in Tränen ausbrach, weil jemand die Tafel mit Wachs eingerieben hatte; aber so etwas hätten wir nie gemacht), hatte ansonsten seit Jahr und Tag immer das gleiche Stück am Waschbeckenrand liegen, und das war’s.

Dank Siedendbunt hat sich das geändert …

Nacht und Blatt

12. Oktober 2014
Am Boden.

Am Boden.

Die Dunkelheit kommt früh in die Stadt, und sie bleibt lang. Hier trägt der Herbst seine Farben eher auf der Innenseite und greift noch nicht im Ernst nach den Platanenkronen. Ab und an zupft er sich ein Blatt heraus, spielt damit, weht es um ein paar Ecken und läßt es dann liegen. Da vergeht es langsam im Asphalt, bis zum Morgen, wenn die Straßenkehrer kommen.

Im Wald strecken sich die Wege im Mondlicht und duften nach dem letzten Sommer, dem kommenden Winter und dem Frühling, der darunter schläft. In der Stadt ist mir draußen nicht draußen genug.

(Und, übrigens,

9. Oktober 2014

Preßlufthämmer und ich: wir werden in diesem Leben wohl keine Freunde mehr.)

Lebensmittel

4. Oktober 2014

Auf dem Wochenmarkt ist Herbst. Früchte aller Sorten duften, und in die Blumensträuße am Gemüsestand mischen sich rote Beeren und Astern.

Zwischen den Einkäufern und Flaneuren wuseln gleich mehrere Gruppen von Kindern …

Grünzeug

2. Oktober 2014

weib wand

Schamhaftes. Und Wildwuchs.

Gartenzwerg-Asyl

1. Oktober 2014
Mit Blick auf den Rhein.

Mit Rheingrüßen!

Von blauen Bergen

28. September 2014

Häuser wachsen hier gleich aus den Wiesen, im Sonnenlicht scheinen sie zu gedeihen. Wo sie sich verdichten, grünt es immerhin in Blumenkästen und Vorgärten; so üppig, so reich. Hier und da liegt ein gefallenes Blatt auf dem Bürgersteig. Zebras sind hier gelb gestreift; an den Ampeln steht: Fussgänger drücken. Einheimische erklären mir höflich-kehlig den Weg zum See.

Vor dem stehe ich dann wie vor einer Wand. Er gleißt; kaum hinschauen kann ich, wo die Segelboote gleiten. Der Steg unter meinen Füßen liegt fest, es ist der ganze Septembertag unter dem weißglühenden Himmel, der leise schwankt.

Mein Blick fängt sich in den Uferanlagen, greift nach Balkongittern, schlüpft unter gestreifte Markisen. Palmen müßte es geben, doch stehen bloß Kräne weiter hinten, um einstige Dorfkirchlein herum, und schichten mehr Stadt in die Schafsweiden.

Dahinter wachsen auch noch Tannen, alle ordentlich gekämmt; dralle Hügel mit gestriegeltem Gras und Scheunen hier und da wölben sich zu ihnen hin. Noch dahinter aber, das Blau, das ist nicht der Himmel. Das steigt jäh und bricht schroff und hat weiße Flächen in Höhen, die überhaupt nicht möglich sind.

Diese ganze, sonnige Stadt ist ja umlauert von Gebirg! Aber die Leute von hier meinen bloß: Ach, die Berge, ja, die. Sind weit weg.

 

Grippespaziergang; angestecktregt von Herrn Zeilentiger.

Korrekturlesen

24. September 2014

Man bekommt einen Text, der druckfertig gemacht werden soll. Der Text ist von einem Drittautor, voller Fehler in Rechtschreibung und Grammatik; dazu Stilblüten, die wirklich nicht veröffentlicht gehören.

Alles halb so schlimm – dafür ist man ja da.

Man macht sich an die Arbeit, jätet wuchernde Kommas und pflanzt sie an die Stellen, an denen sie von Nutzen sind; man beugt Adjektive, bis sie bruchlos an ihre Substantive passen; man fädelt Verben auf die richtige Zeitenfolge und flickt hier und da noch einen Konjunktiv. Wortwiederholungen werden wegvariiert, schiefe Bilder gerade gehängt, Bandwurmsätze sinnreich zerteilt, und schon macht das Ganze einen recht ordentlichen Eindruck.

Man schickt den korrigierten Text an den Auftraggeber zurück.

Zwei Tage später kommt ein Anruf. Der Autor habe nicht gut auf die Verstümmelung seines Textes reagiert; die Stilblüten müßten also drinbleiben. In sachen Grammatik sei der Autor nicht so zwanghaft, man möge sich da mal entsprechend locker machen. Kommasetzung laufe bei diesem Autor unter “künstlerische Freiheit” – tja.

Und dann fällt, durchaus gut gemeint und in tröstendem Ton, der Satz, der Korrekturleserinnen zum Weinen bringt: Nimm’s doch nicht so genau; das liest außer dir sowieso fast keiner.

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