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Ich habe kein Verständnis.

18. Dezember 2014

Für tagespolitische Themen taugt mein Blog nicht; das können andere bedeutend besser als ich. Dennoch folge ich dem Appell von Bloggerin Sherry. Sie hat recht — wir denken ja nicht alle so; das sollten wir zeigen. Und: wenn ich schweige, setze ich dem Wahnsinn nichts entgegen.

Das Wort Islamisierung sagt mir nichts. (Zu Christianisierung fiele mir mehr ein, aber das würde hier zu weit führen.) Die Forderungen der Leute, die gegen eine “Islamisierung” auf die Straße gehen, machen mich fassungslos.

Warum Angst vor Fremden? Wer sind die überhaupt, die Fremden?

Aus den “Gastarbeitern” und Zuwanderern von einst sind unsere Nachbarn geworden. Sie betreiben heute Läden, Praxen, Büros, führen Handwerksbetriebe und arbeiten im Öffentlichen Dienst. Ohne sie geht es nicht, und wieso sollte es auch? Es sind einfach die Leute in meiner Stadt. Keine Fremden. Ich habe tagtäglich mit ihnen zu tun. (Es ist mir übrigens piepegal, ob sie und was für einer Religion sie angehören, solange sie mich nicht zu bekehren versuchen – was mir noch nie passiert ist, nicht einmal unter Freunden.)

Dann gibt es Flüchtlinge. Das heißt, ich hoffe, es gibt sie; gesehen habe ich hier noch keine. Ich denke, es ist im Grunde sehr einfach: Wer in Not ist, braucht Hilfe. Das ist ein Gebot der Menschlichkeit. Vor nicht einmal hundert Jahren mußten Menschen aus Deutschland fliehen. Hätten sie nicht in anderen Ländern Aufnahme gefunden, wäre unsere Welt heute eine andere.

In was für einer Welt wollen wir morgen leben?

Mir gefällt es nicht, wie zweifellos vorhandene Ängste in der Bevölkerung geschürt und in Haß verwandelt werden. Haß fühlt sich erst mal besser an als Angst, das ist wahr; aber wohin er führt, haben wir oft genug gesehen. Nein, ich habe kein Verständnis für diese Initiative der Unmenschlichkeit.

Und hier noch einmal eine alte Geschichte, aus gegebenem Anlaß.

Scheusal an schöner Aussicht

18. Dezember 2014

Abwechslung macht Freude: wie wäre es mit einem klassischen Sommer-Sonntagsausflug an einem Wochentag bei schlechtem Wetter und, sozusagen, von hinten?

Da dräut sie, die Germania mit ihrem Krieg.

Da dräut sie, die Germania mit ihrem Krieg.

Schönes Wetter ist ja Kleidungssache; das Rheintal aber, das ist bei jedem Wetter schön. Und wenn sich kurz hinter Lorch die Hügel hinter Dunst und Regenschleiern verlieren …

Naßforschung (Badeanzug: Coda)

10. Dezember 2014

Ein angenehmer Zeitvertreib für einen trübgrauen Dezembertag ist: baden gehen. Dazu braucht es nichts weiter als ein sauberes, fast menschenleeres, wunderwunderschönes Hallenbad, am liebsten mit Liegesesseln, Außenbereich und allerlei kitzligen Blubbervergnügungen, sowie gute Gesellschaft. In der kann man dann zwischen Glanz und Gloria (das Bad ist wirklich schön!) bescheidene Bahnen ziehen, in verschiedenen Wassertemperaturen dümpeln, bis man Schwimmhäute kriegt, und sich zwischendurch am Beckenrand räkeln.

Später, genau in der einen nicht grauen, sondern goldenen Stunde dieses Tages, sollte man hinaus ins Freibecken schwimmen und zusehen, wie sich das Wasser dampfend in die Silhouette der Stadt stürzt. Liegen in der Wasserfläche, auf der sich das Blau der Kacheln mit dem des Himmels verschränkt; immer paddeln und die Knie im Warmen halten, die Schultern auch, und in die Sonne blinzeln: das kann vor hundert Jahren, im alten Rom kann das nicht schöner gewesen sein.

Kein Bild wäre in der Lage, das festzuhalten.

Mein Badeanzug hält auch …

Schlichte Liste zum Advent

6. Dezember 2014

Türscharniere ölen.

Aufräumen, von außen nach innen.

Wände leuchtend bebildern.

An jedes schöne Ding ein notwendiges binden oder,
nach Stimmung, an jedes notwendige ein schönes.

Fernen stören im Winternest.

Absätze begradigen; Schuhe erden.

Warten auf Schnee.

 

 

 

Schöne Sachen XXXIII

5. Dezember 2014
Stricksocken

Warme Füße. Am allerschönsten handgestrickt von SCH.NECK (in Berlin).

Paßt nicht?

2. Dezember 2014
Dochdoch, geht schon.

Dochdoch, geht schon.

Trauriges Viertel

30. November 2014

Leere Läden, die Fenster verstaubt: Zu vermieten. Provisionsfrei.

Hier war mal ein hübsches, helles Café, da gibt es jetzt Versicherungen. Die Bäckerei hatte erst die Backstube und nun auch den Laden geschlossen. Der Käseladen, der Weinhändler konnten sich nicht halten. Ein Rechtsanwalt hat das liebevoll restaurierte Geschäft der Goldschmiedin blickdicht umbauen lassen. Friseure, Friseure, Friseure und Handy-Reparaturen. Kein Metzger mehr; nichts für den täglichen Bedarf.

Im letzten Lebensmittelladen …

Kleine Brötchen

25. November 2014

Die ZEIT kümmert sich um Bäckereien. Das ist löblich, weil nötig: 300 kleine Betriebe geben jedes Jahr auf; was bleibt, ist Industriebrot. Billig, immer gleich, mit viel Kleingedrucktem auf der Packung. Und was geht verloren?

Zu meiner kleinen Bäckerei muß ich ein paar Straßen weit laufen …

Novembergedanken

22. November 2014

Im November, wenn die Dunkelheit sich mehr und mehr Stunden nimmt, kommt die Zeit des Erinnerns. Nicht umsonst drängen sich jetzt die Gedenktage: im Dunkeln sieht man die Geschichten deutlicher als die Gesichter derer, die sie erzählen.

Ich denke an die Novemberbesuche bei der Großmutter, wenn das Abendessen abgetragen war und Likör gelblich in den Schnörkelgläschen stand; die Welt zog sich von den Doppelfenstern in die Nacht zurück, und wir Kinder am Tischrand wurden unsichtbar …

Auf dem Weg mit dem B

20. November 2014

  Wo ist der Weg? Ich sehe drei, und keiner trägt ein Zeichen.
  Schau noch mal nach; vielleicht ist der Baum gefällt, wie an der letzten Kreuzung …
  Da ist es. Vom Stamm fast verschluckt. Unter der Rinde steckt es; wie ein Auge unterm Lid. Und da, das nächste — einen Nagel hat das Holz ausgespien, nun hängt es schief am andern.
  Ein Hänge-B.
  Dieser Weg ist sicher ein paar hundert Jahre alt, aber die neuen Wegzeichen, die scheint er nicht zu mögen. Was ist das für ein Wald?
  Gehen wir lieber weiter, sonst frißt er uns am Ende noch.

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